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Aus Flüchtlingen werden Rot-Kreuz-Helfer. Erlebnisse in Syrien und auf der Flucht prägen junge Männer – Medizinstudium ist größter Wunsch

Schlimme Dinge haben Mohmed Hai Bakour (18), Mohamad Mokadam (17) und die beiden Brüder Mustafa (20) und Ahmad Sabbagh (19) auf ihrer Flucht aus Syrien erlebt. „Wir konnten den leidenden Menschen nicht helfen. Wir wussten einfach nicht, wo wir anfangen sollten. Das möchten wir nie mehr erleben“, fasst Mohmed Hai Bakour zusammen, was die vier Flüchtlinge denken.

Sie wollen helfen und haben beim DRK-Stadtverband die Ausbildung für den Betreuungsdienst erfolgreich abgeschlossen: Momed Hai Bakour (18), Mohmad Mokadam (17) und Ahmad Sabbagh (19). Rotkreuzleiter Roman Kriesten betreut die Helfer. Nicht im Bild Mustafa Sabbagh (20). Fotos: Langer

Die jungen Männer stammen aus den syrischen Städten Aleppo und Idlib. Beide Städte sind nach den Kämpfen mit Milizen des IS zerstört. Viele Menschen sind geflohen, um ihr Leben zu retten. So auch die vier jungen Syrer, die im November 2015 nach Delbrück kamen. In Ostenland und Bentfeld fanden die jungen Männer eine neue Heimat und alle vier setzen sich intensiv für ihre Integration ein. „Wir haben schnellst möglich Deutsch gelernt“, sprechen alle vier inzwischen fließend deutsch.

Eine Nachbarin aus Ostenland hat dann den Kontakt zum DRK hergestellt. „Meine Familie war in Syrien beim Roten Halbmond aktiv, da lag es nahe, sich hier für das Rote Kreuz einzusetzen“, so Mahamad Mokadam.

Inzwischen haben alle vier die Ausbildung zum Betreuungshelfer bestanden und verstärken die Einsatzgruppe des DRK. Teil der Ausbildung war die Geräte- und Fahrzeugkunde, der Aufbau eines Betreuungsplatzes, einer Notunterkunft, die Registrierung von Personen, Hygienewissen oder die Organisation einer Essensausgabe.

Schon bei einer Übung in Ostenland, beim Run’n’Roll, beim Karneval oder im Fußballstadion des SC Paderborn waren sie dabei. „Wir sind aber auch schon in Dortmund gewesen und haben die Feiern nach dem Sieg der Borussia im DFB-Pokal abgesichert“, hat Roman Kriesten die vier jungen Männer schon zu einem echten Höhepunkt mitgenommen. „Das schwierigste war für uns das Lernen der deutschen Fachausdrücke. Aber das Zusammenarbeiten in der Gruppe macht riesigen Spaß und wir wollen auf jeden Fall weitermachen“, so Ahmad Sabbagh, dem die praktische Arbeit gefällt.

Alle Vier wollen die Sanitätsausbildung absolvieren und eines Tages auf einem Rettungswagen sitzen. „Am liebsten würden wir in einigen Jahren Medizin studieren. Die Ohnmacht und Hilflosigkeit gegenüber Menschen, die dringend medizinische Hilfe benötigen wollen wir nie wieder erleben“, betont Mohamad Mokadam und sein fröhliches Lächeln verändert sich in einen sehr ernsten Gesichtsausdruck.

Text und Fotos: Axel Langer (DSP)

1. August 2017 08:44 Uhr. Alter: 75 Tage