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Kinder lernen durch Spielen und Bewegung

Pädagogen aus Kitas und Grundschulen absolvieren erste Psychomotorik-Ausbildung beim DRK in Paderborn

Wollen ein Netzwerk in Paderborn knüpfen: Udo Wohnhas-Baggerd und Melanie Grumbach (3. und 4. von rechts) haben die Absolventinnen der ersten Psychomotorik Qualifikation des IPE ausgezeichnet.

Computerspiele, zu viel Fernsehen, wenig Bewegung oder ungesunde Ernährung: Immer häufiger leiden Kinder schon im Kindergarten- und Grundschulalter unter gesundheitlichen Problemen. Nicht nur Übergewicht, Ausdauer- und Haltungsschwächen sind die Folgen. Auch Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität, Hyperaktivität, Konzentrationsschwächen oder Sprachprobleme können darin ihre Ursachen haben.

Dennoch benötigen nicht alle Kinder, die verhaltensauffällig oder entwicklungsverzögert sind, therapeutische Unterstützung. „Mit frühzeitiger Förderung kann oftmals der Gang zum Therapeuten verhindert werden“, sagt Professor Dr. Udo Wohnhas-Baggerd, Leiter des Instituts für psychomotorische Entwicklungsförderung (IPE). Wie das geht, haben erstmalig in Paderborn Pädagoginnen – überwiegend aus Kitas und Grundschulen – in einer Qualifikation in Psychomotorik beim 2015 in Paderborn gegründeten IPE der DRK Kinder-, Jugend- und Familiendienste in OWL GmbH gelernt.

Sie können jetzt im pädagogischen Alltag Auffälligkeiten und Störungen in der motorischen, emotionalen und sozialen Entwicklung von Kindern diagnostizieren und präventive Fördermaßnahmen durchführen. Diese erfolgen in den Bewegungsräumen oder Sporthallen der Kindertagesstätten oder Schulen. Würde man die Kinder fragen, was sie dort tun, bekäme man erstaunliche Antworten. Sie erleben in der psychomotorischen Förderstunde Abenteuer. Die Pädagoginnen lassen dort Fantasiewelten entstehen, etwa einen Dschungel, in dem sie gemeinsam einen Schatz suchen, oder ein Piratenschiff, mit dem sie über das Meer segeln.

„Wir machen nicht die Probleme der Kinder zum Thema, sondern spielen mit ihnen“, beschreibt Melanie Grumbach, Sportpädagogin und Diplom Motologin vom IPE, den Ansatz. Dabei kämen sie oft recht schnell selbst zu dem Thema, das Probleme darstellt.

„Wir motivieren die Kinder, schwierige Situationen selbst zu lösen, Neues auszuprobieren und sich dabei gut zu fühlen“. Die Mädchen und Jungen erfahren die Förderung dabei als eine ganzheitliche,  an ihren  Stärken  und  Vorlieben  orientierte  Spiel- und Sportveranstaltung. „Klettern, springen, balancieren – Kinder erleben sich dabei als Verursacher von Effekten, die sie durch eigenes Können hervorrufen“, erklärt Wohnhas-Baggerd. „Sie werden nicht nur motorisch sicherer, sondern gehen auch mutiger, ausdauernder und mit höherer Frustrationstoleranz an neue Herausforderungen heran“.

Oftmals kann so verhindert werden, dass gerade kleinere Kinder professionelle therapeutische Hilfe benötigen. Sollte eine Therapie dennoch notwendig sein, beraten die Kursteilnehmerinnen die Eltern der betroffenen Kinder und bahnen im Dialog mit ihnen die erforderlichen externen Therapien an. Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen das Sozial- oder Jugendamt die Kosten der Förderung.

Die nächsten Qualifikationen im Bereich Psychomotorik startet das DRK Institut für psychomotorische Entwicklungsförderung im September 2016 in Paderborn und Bielefeld. Anmeldung und Information unter Telefon 0521- 32989871 oder Email institut@drk-kijufa.de. Die Kursgebühr in Höhe von 730 Euro kann durch den Bildungsscheck oder die Bildungsprämie NRW bis zu 50 Prozent unterstützt werden.

Ansprechpartnerin:
Melanie Grumbach, Sportpädagogin und Diplom-Motologin
(05251) 130 93 29

21. Juni 2016 09:15 Uhr. Alter: 1 Jahre