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Helfer nehmen extra Urlaub

40 Freiwillige des Deutschen Roten Kreuzes kümmern sich um Flüchtlinge in Staumühle

Helfen bei der Flüchtlingsbetreuung im Lager Staumühle (vo. li. n. re.): Matthias Schmidt und Sebastian Langenhorst (Ortsverein Paderborn), Dirk Antpöhler (Ortsverein Hövelhof), Clemens Wittkugel (Ortsverein Paderborn), Martin Münsterteicher (DRK-Kreisgeschäftsstelle)

Das Einsatzsignal kam am Samstag, und dann musste alles ganz schnell gehen: 40 Helfer des Deutschen Roten Kreuzes aus den Kreisverbänden Paderborn, Warburg und Gütersloh haben am Wochenende das Flüchtlingslager in Staumühle eingerichtet und ehrenamtlich dort bis Mittwochmittag ihren Dienst versehen. Gestern wurden sie abgelöst durch hauptamtliches Personal der Johanniter.

Weil die Lager in Dortmund und Hamm überfüllt waren, kam kurzfristig die Entscheidung der Bezirksregierung, die Militärbaracken in Staumühle, in denen sonst immer wieder NATO-Gastsoldaten während ihrer Trainingseinheiten auf dem nahegelegenen Truppenübungsplatz leben, als Unterkunft für Flüchtlinge zu öffnen. »Wir haben am Wochenende dafür gesorgt, dass die Wohnbaracken mit dem Notwendigsten ausgestattet wurden«, sagt Martin Münsterteicher vom DRK-Kreisverband Paderborn. Insgesamt sind rund 50 Rotkreuzler in täglich drei Schichten im Einsatz, dazu gesellen sich zwölf Helferinnen der Blutspendegruppe des DRK Hövelhof, die eine Kleiderkammer extra für die Flüchtlinge auf dem Gelände in Staumühle eröffnet haben. Das DRK hat außerdem einen Sanitäts-Container aufgebaut, in dem kranke oder verletzte Flüchtlinge versorgt werden.

Zuständig sind die Helfer auch für das Austeilen der Verpflegung: »Frühstück, Mittagessen und Abendessen wird zu festen Zeitpunkten von einem Caterer geliefert und wir kümmern uns um die Ausgabe«, sagt Martin Münsterteicher, der bewusst nicht von »Flüchtlingen«, sondern von »Gästen« spricht. Denn so sehen die Ehrenamtlichen das, zumal die Menschen – aktuell sind es über 600 – nur kurzfristig in Staumühle bleiben werden, zum Beispiel, bis sie ihren Asylantrag gestellt haben.

Die Verständigung ist oftmals etwas holprig. »An der Einfahrt des Lagers sind Sicherheitsleute eingesetzt, die uns beim Dolmetschen helfen«, berichtet Münsterteicher, »manche Flüchtlinge können auch ganz gut Englisch.« Zugführer Sebastian Langenhorst ergänzt: »Und ansonsten überwinden wir die Sprachbarrieren mit Händen, Füßen oder kleinen Zeichnungen.« Eine dieser Zeichnungen, eine Sonne und der Vermerk »8 h«, prangt am Sanitätscontainer und zeigt den Flüchtlingen an, wann die Erste-Hilfe-Station besetzt ist. Die ehrenamtlichen Helfer sind seit Samstag rund um die Uhr in drei Schichten für die Menschen im Lager da: Einige von 6 bis 14 Uhr, andere von 14 bis 22 Uhr und eine kleinere Gruppe für die Nachtschicht. »Die meisten Rotkreuzler haben extra Urlaub genommen, um hier helfen zu können«, sagt Martin Münsterteicher. Freistellen muss sie ihr Arbeitgeber nicht, da es sich nicht um einen Katastrophenfall, sondern um eine humanitäre Hilfsaktion handelt.

Helfend zur Seite stand dem DRK auch die Hövelhofer Feuerwehr, die Funkverstärker auf den Hausdächern installierte und somit sicherstellte, dass der Funkverkehr vernünftig funktioniert. Der Handyempfang ist mehr als bescheiden. »Das macht das Organisieren hier umso schwieriger, weil man oft mehrere Anläufe unternehmen muss, um eine Verbindung zu kriegen«, berichtet Münsterteicher.

Gefreut haben sich die DRK-Helfer über Unterstützung und Zuspruch aus der Bevölkerung. »Uns besuchen hier Menschen und spenden Kleidung oder Spielzeug«, sagt Münsterteicher. Riesig freuen würde man sich vor allem über Fußbälle für die Kinder. »Wir haben da bereits Kontakt aufgenommen und hoffen, dass wir ein paar Bälle gespendet bekommen«, so der DRK-Pressesprecher.

Ausdrücklich nicht geeignet ist die Unterkunft in Staumühle übrigens für Kriegsflüchtlinge – wegen des nahegelegenen Truppenübungsplatzes, von dem aus schon mal lautes Knallen bis ins Lager herüberschallt. Die meisten Gäste in Staumühle stammen nach Aussagen des Roten Kreuzes aus Südosteuropa, zum Beispiel aus Albanien.

Zu den derzeit 463 Flüchtlingen werden sich noch weitere gesellen, am Montagabend wurden bereits weitere Betten aus einem Lager bei Nottuln angefordert und aufgebaut.

Für Martin Münsterteicher ist es übrigens nicht der erste Einsatz in Staumühle. »Im Herbst 1989 haben wir hier 1200 DDR-Bürger verpflegt und uns um sie gekümmert, die direkt aus der Prager Botschaft kamen. Später dann waren hier Ungarn und Rumänen untergebracht, außerdem nutzen wir das Gelände auch öfters für Übungen.« Das Rote Kreuz kannte sich vor Ort also aus. Auch das half, als am Samstag bei der Organisation Eile geboten war.

Auf dem Foto (vo. li. n. re.): Matthias Schmidt und Sebastian Langenhorst (Ortsverein Paderborn), Dirk Antpöhler (Ortsverein Hövelhof), Clemens Wittkugel (Ortsverein Paderborn), Martin Münsterteicher (DRK-Kreisgeschäftsstelle)

Text und Foto: Meike Oblau (Westf.-Volksblatt)

23. Juli 2015 17:21 Uhr. Alter: 3 Jahre