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Personenauskunftsstelle des Kreises probt den Ernstfall

„Ungewissheit über den Verbleib eines lieben Menschen ist genauso schwer zu ertragen wie physisches Leid“

Probten den Ernstfall im Paderborner Kreishaus: Martin Münsterteicher, Helmut Westermilies, Landrat Manfred Müller, Sandra Stiewe, Jürgen Günther, Ulrich Mandel, Norbert Büttner unten: Norbert Hoffknecht, Birgit Schumacher, Uwe Jürgens, Maria Przybysz, Marie-Luise Gensicke, Monika Heggemann

Am Neuhäuser Tor ist eine Bombe gefunden worden. Alle Gebäude im Umkreis von 500 m müssen evakuiert werden. Da sich in der Nähe ein Seniorenwohnheim befindet, klingeln bereits pausenlos die Telefone. Besorgte Angehörige erkundigen sich nach der Großmutter oder dem Großvater, Schwester oder Bruder. Das ist zum Glück nur ein Übungsszenario. Die ehrenamtlichen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) probten jetzt im Paderborner Kreishaus die Kommunikation im Ernstfall. Denn Katastrophen jedweder Arbeit erfordern nicht nur die schnelle Hilfe von Rettungskräften ,  sondern auch eine zentrale Stelle, die den Familienangehörigen so schnell wie möglich Auskunft über das Schicksal Betroffener geben kann. Landrat Manfred Müller sowie Vorstandmitglieder des Kreisverbandes des DRK machten sich ein Bild vor Ort.
 
Laut Gesetz müssen die Kreise in NRW bei größeren Schadenslagen und Katastrophen eine Auskunftsstelle einrichten. Diese ist berechtigt, Personalien und Daten über den Verbleib und den Zustand der betroffenen Personen zu erheben und Angehörige zu informieren. „Wir sind sehr froh über die engagierten Helfer des DRK“ sagte Landrat Manfred Müller. „Die Ungewissheit in einer solchen Situation ist quälend und zermürbend. Schnell Auskunft geben zu können heißt auch, menschliches Leid einzudämmen“, so Müller. Die langjährige Erfahrung des Roten Kreuzes mit dem Suchdienst überzeugten den Kreis Paderborn. Seit Anfang 2004 ist das DRK beauftragt,  diesen Dienst durchzuführen.

Das zermürbende Warten für die Angehörigen zu beenden motiviert seit 60 Jahren viele ehrenamtliche Helfer, die sich beim Deutschen Roten Kreuz für Suchdienste und Personenauskunftsstellen engagieren. Im Kreis Paderborn sind es 15 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die im Ernstfall dafür sorgen, dass Menschen schnell Informationen über den Verbleib ihrer Angehörigen erhalten. 
 
„Im Ernstfall erhalten wir zumeist handschriftlich ausgefüllte Meldekarten und müssen diese schnell erfassen“ erläutert Sandra Stiewe, Leiterin der Personenauskunftsstelle. „Wir treffen uns deshalb alle zwei Monate und üben nach den gültigen Richtlinien des Landes NRW und des DRK. Dazu gehört auch der routinierte Umgang mit den computergestützten Informations- und Kommunikationssystemen.“
 
Aufgeregte Anrufer müssen beruhigt und informiert werden. Stressig wird es für die Helferinnen und Helfer, wenn die Daten der evakuierten bzw. im Schadensfall auch verletzten Personen nicht schnell genug vorliegen und die besorgten Anrufer beruhigt und auf einen späteren Zeitpunkt  vertröstet werden müssen. Deshalb arbeiten sowohl der Kreis, die Feuerwehren, das Deutsche Rote Kreuz und alle sonst beteiligten Organisationen daran, die Erfassung der Personen zu optimieren. „Wir freuen und über jeden Tag, an dem die Personenauskunftsstelle nicht benötigt wird, sind aber sehr froh darüber, dass im Ernstfall eine so professionell aufgestellte Gruppe den Informationsfluss gewährleistet“ fasste Uwe Jürgens, Vorsitzender des Vorstandes des DRK-Kreisverbandes Paderborn, zusammen und sprach damit allen Verantwortlichen aus dem Herzen.

1. Januar 2011 00:00 Uhr. Alter: 8 Jahre