| Ein Unfall. Viele Schaulustige. Alle warten auf den Rettungsdienst. Keiner hilft dem Verletzten. Jeder von uns kennt solche oder ähnliche "Szenen" aus Zeitungen oder persönlichen Erlebnissen: ein Mensch blieb in Not ohne Hilfe, obwohl viele, manchmal sehr viele Menschen seinem "Unglück" zuschauten
Es ist leicht, sich über "solche" Menschen zu entrüsten. Aber sind wir so sicher, dass wir selbst in einem solchen Fall tatsächlich helfen würden? Gegenüber Menschen, die wir kennen, fühlen wir uns verpflichtet, ihnen in Notfällen tatkräftig zur Seite zu stehen. Je näher sie uns stehen, um so stärker. Die Zuneigung, die Vertrautheit mit dem Verletzten, auch das Pflichtgefühl helfen mit, unsere Bedenken und Hemmungen gegenüber der Hilfeleistung zu überwinden. Gegenüber Fremden dagegen, empfinden wir häufig zwiespältige Gefühle: "Grundsätzlich, sind wir bereit, dem Verletzten beizustehen. Andererseits hemmen uns innere Widerstände und Ängste, mit Erster Hilfe "ernst zu machen". Allzu oft behält die Unlust die Oberhand. Wir wenden uns ab oder schauen (auch) einfach zu. Moralische Appelle, die vorhandene "grundsätzliche" Hilfsbereitschaft auch in die Tat umzusetzen, wenn's darauf ankommt, zeigen offenbar nur geringe Wirkung. Meistens verstärken sie sogar noch die innere Abwehr und führen dazu, nach weiteren begründeten Auswegen aus der Verpflichtung zu suchen. Besser ist es, sich vorhandene Unlustgefühle, Hemmungen und Gründe bewusst zu machen, die uns in der konkreten Situation an der Ausübung Erster Hilfe hindern. Und zu lernen, damit umzugehen und sich die Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen, die notwendig sind, um Erste Hilfe auszuüben. Wer weiß, was zu tun ist, wird keine Angst haben. Es fällt dann auch leichter, jemanden zu helfen, den man nicht kennt. Denn: dieser "Jemand", der von Fremden Hilfe braucht, könnte auch einmal unser Kind oder Partner oder könnten wir selbst sein! 
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