13 Wohlfahrtsverbände und soziale Vereine gründen den Runden Tisch Armut 
Essensausgabe bei der Paderborner Tafel
Armut hat viele Gesichter. "Und man sieht sie den Leuten wieder an", sagte Harald Ehlers vom AWO-Kreisverband. Vor allem durch den Wegfall der Einmalbeihilfen des Sozialamts würden Betroffene zum Beispiel weniger auf Zähne oder Brillen achten. Mehr als 15.000 Menschen in Paderborn sind armutsgefährdet. Diese Zahl nannte am Dienstag der Runde Tisch Armut, ein Zusammenschluss von 13 Wohlfahrtsverbänden und sozialen Vereinen.
"Unser Ziel ist, das Thema Armut in die Öffentlichkeit zu bringen", sagte Patrick Wilk vom Caritas-Verband Paderborn. Dazu wird es am 2. Juni eine Kundgebung (Armen eine Stimme geben", die am Sozialamt beginnt. Am 13. Juni folgt eine Podiumsdiskussion bei der AWO. Im Mai kam der Landesarmutsbericht heraus. Noch sieht es in Paderborn mit 10,5 bis 12 Prozent der von Armut bedrohten Menschen besser aus als im Rest von NRW (14,3 Prozent). Doch auch in Paderborn steigt die Zahl der Leute, deren Einkommen nicht ausreicht. "Jedes fünfte Kind lebt in einer solchen Familie", sagt Kerstin Weitemeier vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Insgesamt geht es um 7.206 Bedarfgemeinschaften. 8.154 Personen waren in der Stadt im Vorjahr arbeitslos. Mehr als 3.000 Leute bekamen Leistungen des Sozialamtes.
Schon seit einem Dreivierteljahr habe man überlegt, "alle Verbände, die mit Armut zu tun haben, an einen Tisch zu holen", so Ehlers, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wohlfahrtsverbände. "Wir schauen, an welchen Stellen etwas fehlt."
Die Gemeinschaft hat bisher vier Ziele: Sie wünscht die Erweiterung des Familienpasses auf sozial bedürftige Menschen (die Stadtverwaltung errechnet aktuell den Bedarf) unter Einbeziehung von Vergünstigungen für den Öffentlichen Nahverkehr. Dann soll die Stadt sicherstellen, dass in den offenen Ganztagsschulen alle Kinder zu Mittag essen können – auch die, für die es pro Tag nur 2,55 Euro Essensgeld gibt. Der Energieanbieter Eon wird aufgefordert, bei Bedürftigen Strom nicht abzustellen, sondern andere Möglichkeiten der Bezahlung anzubieten. Außerdem sollen die einmaligen Beihilfen für Kinder und Jugendliche landesweit wiedereingeführt sowie die Regelsätze neu festgesetzt werden. In den Regelsätzen seien zwar zehn Euro enthalten, die die Betroffenen jeden Monat zurücklegen sollten. "Aber das können und tun sie nicht", urteilen alle Vertreter.
"In meiner Wahrnehmung hat sich das Armutsproblem verstärkt", sagt Jutta Vormberg, Diakonie Paderborn-Höxter. Am stärksten betroffen sind Alleinerziehende: 4.000 – fast 50 Prozent – und ihre Kinder leben in Armut. "Es darf nicht sein, dass Kinder sich schon in der Klasse 5 der Hauptschule als Verlierer sehen", sagte Vormberg. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens erhält: Dies sind 615 Euro bei Alleinerziehenden, 1.046 Euro bei kinderlosen und 1.353 Euro bei Paaren mit einem Kind.
Reinhard Kersting (KIM Soziale Arbeit) kritisierte die unterschiedliche Steigerung niedriger und hoher Löhne – ein Grund für Schulden. "Das Geld ist da, nur die Einkommensteilung hat sich verschoben." Marianne Kaufmann von In Via hob die Bereitschaft der Leute hervor, etwas für die Gemeinschaft zu schaffen. "90 Prozent der Betroffenen wollen arbeiten." Haben die Menschen eine Perspektive, seien sie motiviert, etwas für die Gesellschaft zu leisten. Daher ist die Wiedereröffnung von Möglichkeiten ganz wichtig – darin sind sich alle am Runden Tisch Armut einig.
Haushalten ohne Schulden
Am Runden Tisch Armut sitzen Arbeiterwohlfahrt, Caritas-Verband Paderborn, Diakonie Paderborn-Höxter, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Deutsches Rote Kreuz, Evangelisches Perthes-Werk, In Via, KIM Soziale Arbeit, Paderborner Tafel, Pigal, SKF Paderborn, SKM Paderborn und Verbraucherzentrale. Sie bieten ein Seminar zum Thema "Wirtschaftunternehmen Haushalt" an, das Leute schult, die Einzelpersonen, Familien und Gruppen unterstützen, bevor die Schuldenfalle zuschnappt. Die Kurse sind am 5. und 18. Juni, sie richten sich an Mitarbeiter der Verbände und Vereine sowie an interessierte Menschen, die ehrenamtlich helfen wollen. Anmeldungen unter Telefon (0 52 51) 12 28 18. Text und Foto: nw-news 
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